Praxis für Lehrkräfte
Englischaufsatz korrigieren: Beispiel, Fehlererklärungen und Feedback
Von Tuba ·
Eine gute Aufsatzkorrektur zeigt, was gelungen ist und wie die nächste Fassung besser wird. An einem vollständigen kurzen Englischtext gehen wir sechs Korrekturen durch, formulieren eine Rückmeldung und leiten eine Übung daraus ab. Das Beispiel ist selbst erstellt und enthält absichtlich Fehler; es stammt von keiner Schülerin und keinem Schüler.
1. Lege fest, was der Text leisten soll
Unsere Beispielaufgabe lautet: Erzähle auf Englisch von einem Ausflug. Beschreibe, wann und mit wem du unterwegs warst, was passiert ist und wie du den Tag fandest. Schreibe etwa 100 Wörter. Der Umfang dient nur dieser Übung; passe ihn an deine Lerngruppe an.
Der sprachliche Schwerpunkt liegt auf einer Erzählung im Past Simple. Inhaltlich suchen wir einen nachvollziehbaren Ablauf und eine persönliche Einschätzung. Lies den Text zuerst vollständig. Notiere eine Stärke, bevor du einzelne Fehler markierst. So geht eine gelungene Erzählidee nicht hinter den Verbformen verloren.
Für eine benotete Arbeit brauchst du zusätzlich vorher festgelegte Kriterien. Die sechs Markierungen unten ergeben für sich allein keine Note. Ein anpassbares Bewertungsraster findest du im Leitfaden zur ersten Schularbeit.
2. Vergleiche Original und korrigierte Fassung
Ausgangstext mit sechs absichtlichen Fehlern
Last Saturday I go to the lake with my sister. We taked the bus because our bikes were broken. When we arrived, the weather was sunny and the water was cold. My sister wanted to swim, but I did not went into the water. Instead, I watched a small boat near the bridge. After an hour, we was hungry. We ate our sandwiches under a tree and talked about school. On the way home, my sister asked, "Did you enjoyed the trip?" I said yes because it was a lovely day. Next weekend, we want to go their again.
Korrigierte Fassung
Last Saturday I went to the lake with my sister. We took the bus because our bikes were broken. When we arrived, the weather was sunny and the water was cold. My sister wanted to swim, but I did not go into the water. Instead, I watched a small boat near the bridge. After an hour, we were hungry. We ate our sandwiches under a tree and talked about school. On the way home, my sister asked, "Did you enjoy the trip?" I said yes because it was a lovely day. Next weekend, we want to go there again.
In der zweiten Fassung sind nur die sechs beschriebenen Stellen geändert. Wortschatz, Satzbau und Erzählstimme bleiben erhalten. Die Formulierung „it was a lovely day“ ist einfach, aber im Zusammenhang verständlich und korrekt. Ein anspruchsvolleres Synonym wäre eine Stiloption, kein notwendiger Fehlerausgleich.
3. Erkläre die Änderung am konkreten Satz
1. I go → I went
Zeitform
„Last Saturday“ verortet dieses Erlebnis in der Vergangenheit. Die Past-Simple-Form von „go“ lautet „went“.
2. We taked → We took
Unregelmäßiges Verb
„Take“ bildet die Vergangenheit unregelmäßig: „took“. Die regelmäßige Endung „-ed“ passt hier nicht.
3. did not went → did not go
Verbform nach did
„Did“ trägt bereits die Vergangenheitsmarkierung. Das folgende Vollverb steht deshalb in der Grundform „go“.
4. we was → we were
Form von be
Zum Subjekt „we“ gehört im Past Simple „were“. „Was“ passt hier nicht zur Person.
5. Did you enjoyed → Did you enjoy
Frage mit did
Auch in dieser Frage steht nach „did“ die Grundform des Vollverbs. „Enjoyed“ wird zu „enjoy“.
6. go their → go there
Wortverwechslung
Gemeint ist der Ort: „there“ bedeutet hier „dorthin“. „Their“ bezeichnet Zugehörigkeit, etwa in „their bikes“.
Die Stellen 3 und 5 zeigen dasselbe Lernmuster: Nach „did“ steht hier die Grundform. Das ist ein sinnvoller Schwerpunkt für die Rückmeldung. Ob und wie wiederholte Fehler in die Bewertung eingehen, legst du anhand deiner geltenden Kriterien fest.
„Next weekend, we want to go there again“ bleibt im Präsens: Der Satz beschreibt einen gegenwärtigen Wunsch für das nächste Wochenende. Eine pauschale Regel „alle Verben müssen in die Vergangenheit“ würde hier zu einer unnötigen Änderung führen.
Zum Nachlesen: Der British Council erklärt Past Simple, Fragen und Verneinungen. Nutze die Regel immer zusammen mit dem tatsächlichen Satzkontext.
4. Gib eine Stärke und einen nächsten Schritt zurück
Eine Rückmeldung wie „Viele Grammatikfehler, mehr üben“ bleibt unkonkret. Verknüpfe deine Beobachtung mit einer Handlung, die beim Überarbeiten dieses Textes möglich ist. Eine passende Rückmeldung zu unserem Beispiel könnte so aussehen:
Dein Ausflug lässt sich gut nachvollziehen: Du beschreibst die Anreise, den Aufenthalt und die Heimfahrt. Mit dem Satz über den schönen Tag wird auch deine Meinung deutlich. Prüfe als Nächstes die Verbformen nach „did“: Dort brauchst du die Grundform. Unterstreiche diese beiden Stellen und schreibe die Sätze neu. Wiederhole danach die Formen „go – went“ und „take – took“.
Wähle für die nächste Übung einen überschaubaren Schwerpunkt. Die Wortverwechslung „their/there“ ist ebenfalls korrigiert, muss aber nicht im selben Arbeitsauftrag neben allen Verbformen stehen. Besprich sie gesondert, wenn sie in weiteren Texten wiederkehrt.
Vorlage zum Anpassen: „Gelungen ist dir …, das sieht man an … . Achte beim Überarbeiten auf … . Prüfe dafür die Stelle … und … .“ Fülle die Lücken mit Beobachtungen aus der jeweiligen Arbeit. Eine allgemeine Lobformel ohne Textbezug hilft weniger beim Überarbeiten.
5. Schließe eine kurze Übung an
Setze die passende Verbform ein. Überlege zuerst, ob im Satz bereits „did“ oder „did not“ steht.
- Yesterday we ___ the bus. (take)
- I did not ___ in the lake. (swim)
- Did you ___ the trip? (enjoy)
- We ___ hungry after the walk. (be)
Lösung und Begründung anzeigen
1. took: unregelmäßiges Past Simple. 2. swim: Grundform nach „did not“. 3. enjoy: Grundform nach „did“. 4. were: Vergangenheitsform von „be“ zu „we“.
Beispiel, Korrekturen, Rückmeldung und Übung herunterladen (TXT). Du kannst die Vorlage ohne Anmeldung speichern und in einem Textprogramm für deine Lerngruppe anpassen.
6. Nutze KI als Korrekturvorschlag
Bei einem fotografierten Text prüfst du zuerst, ob die Transkription dem Original entspricht. Erst danach beurteilst du die sprachlichen Vorschläge. Ein falsch gelesenes Wort darf nicht als Fehler der schreibenden Person behandelt werden. Die Hinweise zur Handschrifterkennung helfen bei dieser Unterscheidung.
Für einen ersten Test mit Tuba eignet sich ein selbst geschriebener Beispieltext, dessen Lösung du kennst. Vergleiche die Vorschläge mit der Aufgabe: Wird aus einem korrekten Wunsch für das nächste Wochenende unnötig eine Vergangenheitsform? Wird ein Stilvorschlag als Grammatikfehler ausgegeben? Übernimm nur, was du fachlich begründen kannst.
Dieser Artikel zeigt eine redaktionell erstellte Musterkorrektur und keinen gemessenen KI-Testlauf. Den Ablauf für eigene Fotos erklärt die Anleitung vom Foto zum PDF.